Eine Druckerei finden

Warum in die Ferne schweifen?

"Am schönsten wäre es, wenn wir eine Druckerei im Rhein-Main-Gebiet finden würden. Die Druckereien, die ich auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr kennengelernt habe, machten zwar meistens einen guten Eindruck und zwei waren auch in ihren Angeboten und in der Kommunikation sehr fit. Aber wenn es dann darum geht, verständlich zu machen, wie die Elch-Bücher denn nun genau aussehen sollen, das ist schwierig per E-Mail oder Telefon."


Der Wunsch unserer Verlegerin ist in Erfüllung gegangen. Am 7. Juli war sie zusammen mit dem Berater in technischen und künstlerischen Dingen unseres Vertrauens zum ersten Mal im Druck- und Verlagshaus Zarbock und heute hat sie dort den Druckauftrag erteilt. So richtig schön mit ausführlichem Gespräch zu einigen Fragen, Auswahl der Farben für Bucheinband, Kapitalband und Leseband und feierlicher Unterzeichnung des Druckauftrages. Jedenfalls fühlte sie sich feierlich. Ob die anderen das wohl gemerkt haben?

 

Wie kam es dazu? Per Fahrrad. Metropole - okay, kleine Metropole Frankfurt am Main. Hier lässt es sich ausgezeichnet per Rad zu Geschäftsterminen unterwegs sein.


Eine Druckerei in Frankfurt am Main? Geht das? Ist das besser als die Angebote aus dem Ausland? Unsere Verlegerin machte sich im Netz auf die Suche und am Freitag, den 7. Juli, mit dem schon erwähnten Berater auf den Weg. Im Umkreis von fünf Kilometern haben die beiden in kürzester Zeit sehr interessante Menschen getroffen und sind von einer Druckerei zu nächsten weitergereicht worden.


Die reinste Schnitzeljagd. Denn die letzte Frage lautete immer: "Wenn Ihre Druckerei das so nicht macht, können Sie uns vielleicht jemanden empfehlen?" Sie konnten und sie wollten. Erst die Druckerei, die dann doch vor allem Abschlussarbeiten und Geschäftsbücher druckt und bindet und uns zu einer kleinen, feinen Druckerei in Seckbach schickt: Offsetdruckerei Knack. "Nein, so etwas mache ich nicht. Bei mehr als zweihundert Seiten brauchen Sie viel größere Maschinen für die deutlich größeren Druckbögen. Sonst rentiert sich das nicht. Haben Sie es schon mal bei Zarbock probiert, die sind doch hier auch in der Nähe?" - "Machen die denn auch kleine Auflagen? Das wirkte im Internetauftritt nicht so." - "Doch, das machen die auch." - "Und was machen Sie?" - "Vor allem Visitenkarten, Flyer, Plakate und Broschüren. Ich gebe Ihnen mal eine Karte." Und die sah klasse aus. Noch schöner als unsere Visitenkarten aus dem Internet. "Und was kostet so etwas?" - "Ist natürlich teurer als im Internet, aber irgendwann geht der Preis auch nicht mehr hoch. Da ist es dann egal, ob Sie fünfhundert oder tausend Stück bestellen." - "Oh, wie schön. Dann könnten Sie ja so etwas für uns machen, später." - "Gerne. Haben Sie schon bei Zarbock angerufen?" - "Nein." - "Na, dann machen Sie mal."


Gesagt getan und eine halbe Stunde später hockten die beiden mit einem Druckermeister zusammen, der Interessenten berät und sie als Kunden gewinnt. Meistens. Erst ging es um den Einband. Soll ja unkaputtbar sein, Elche stehen auch mal im Wasser. Und Berater, Führungskräfte und Leute, die Berater anheuern wollen, sind viel unterwegs - natürlich mit den Elchen im Gepäck und in Zug, U-Bahn, Flugzeug, Schiff, Büro, auf der Couch und im Park in der Hand. Und den Schluck Kaffee müssen sie auch mal abwischen können.


Doch, ja, die stabile Variante aus Kunststoff ist vielleicht doch nicht so unökologisch. Unsere Verlegerin konnte den Druckmeister überzeugen, dass es solchen und solchen Kunststoff gibt. "Plastikmüll, mal eben weggeworfene Verpackungen und Flaschen sind furchtbar. Haben Sie schon mal einen Plastikmüllteppich auf dem Meer gesehen? Fische und Vögel fressen davon und gehen elendig zugrunde." - "Genau." - "Und andererseits sind zum Beispiel Segelboote aus Kunststoff und werden dreißig, vierzig und mehr Jahre alt."- "Hm."


Von der Kunststoffvariante sind wir dann in den letzten Wochen wieder abgerückt. Die Bücher werden Klassiker mit schönem Hardcover, einem gewebten Band als Abschluss der oberen Kante, dort, wo die Blattbogen mit dem Buchrücken zusammen treffen - das schon erwähnte Kapitalband - und einem Leseband. Der Bucheinband kann dank seiner Beschichtung - matt und gut anzuschauen - auch mal Kaffee vertragen. Verlegerin und guter Geist haben mit dem Druckermeister die Tast- und Geruchsprobe in einem späteren Treffen gemacht. Geruch? Wichtig, denn manche Papier- und Farbsorten riechen etwas s-treng, wie es im Norden heißt.


Dann das Papier. Etwas rau, dick genug und nicht knalle-weiß. Das strengt die Augen zu sehr an. Doch ja Munken weiß 1,5 neunzig Gramm auf den Quadratmeter, das ist klasse.


"Wie ist das mit dem Buchblock? Vierfarbig?" - "Nein, Text und Abbildungen in schwarzweiß, beziehungsweise Graustufen." - "Haben Sie auch Fotos drin?" - "Für die Kapiteleinleitungen ja, im Text sind es Handskizzen." - "Gut, dann zeige ich Ihnen mal, wie das bei uns aussieht, wenn wir auf diesem Papier Fotos und Skizzen drucken." Es sieht sehr gut aus.


Und schließlich die Auflage. Testfrage des Druckmeisters - mittlerweile hatten Verlegerin und Berater schon einiges zu den Inhalten und zu den Lesern erzählt, den bisherigen (der früheren Elche) und künftigen. Die Bilder (also mich) und Texte vom Ausdruck der Seite Elche fangen hatte der Druckermeister auch schon ausführlich betrachtet. Die Testfrage: "Wie sieht denn Ihre Marketingstrategie aus?" - "Digital und analog." - "?" - "Der Internetauftritt ist der Kern. Außerdem Nutzung der Social Media. Zwar verlassen gerade auch junge Leute facebook und Co, weil sie erkennen, dass dies Zeitfresser sind, aber das Marketing und der Kontakt im beruflichen Kontext nehmen dort zu." - "Aha?" - "Messen, die Frankfurter Buchmesse. Konferenzen. Wir sind eingeladen, die neuen Elche im Oktober auf einer kleinen Konferenz vorzustellen. Und es wir haben Kontakte zu Führungskräften in Unternehmen, auch großen, die auch mal eine Herde Elche erstehen, also ihren Führungskräften und Mitarbeitern in der Beratung Elch-Bücher unter den Weihnachtsbaum oder in das Seminarmaterial packen. Diese Kontakte werden wir ausbauen." - "Ja, das mit den Seminaren kenne ich auch von einem unserer Autoren. Der verkauft seine meisten Bücher durch seine Seminare, mittlerweile sind das mehrere tausend Stück." - "Außerdem sind da ja noch die Hochschulen und Universitäten. Die Elche sind hervorragendes Lernmaterial. Ich weiß das durch meine Arbeit als Dozentin an mehreren Hochschulen." - "Hm. Wenn ich das so höre, glaube ich, dass Sie ein größere Auflage brauchen als nur ein paar hundert Stück."


Wie? Er hatte doch nur die Bilder von mir gesehen und kurz in die Texte reingeschaut. Ist das jetzt eine Verkaufstrick? Nein, der findet unsere Elche tatsächlich gut und wie wir daran gehen, die Bücher an Mann, Frau, Unternehmen und Hochschule zu bringen. Und dass es hochwertige Bücher sind: Inhalt, Druck, Bucheinband und Bindung - passt alles zusammen.


Einlagern in den Hallen dort gegen einen zivilen Obolus; mit ein paar Tagen Vorankündigung ein oder zwei Kartons voller Elche dort abholen - sonst müssten wir einen Kurier bezahlen: alles ganz entspannt.


Die Verlegerin auf der Heimradeltour: "Geht schon sehr schön: Wir machen hochwertige Bücher." - Berater: "Klar, machen wir."


Ich war dann sehr gespannt, was im Angebot stehen würde. Ist zwar teurer als im Ausland, aber wie gesagt: So ein Buch wollen wir ja schließlich auch mal anfassen und mit den Menschen vom Fach reden, bevor wir Elche reinpacken.


Rudi Moos - Dienstag, 26. September 2017


< Alle viere       heute     Brauche ich eigentlich gleich alle vier Bücher? >